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„Kinder der Revolution“ von Thomas Zielinski

Montag, 5. November 2007 | Autor: koeberich.e

Artikel aus: Rüsselsheimer Echo

Rüsselsheim: Mit besonderem Interesse schaut der Regisseur auf die aktuell wieder aufflammende Angst vor terroristischen Bedrohungen

THOMAS ZIELINSKI ist in Rüsselsheim aufgewachsen, er lebt in Prag. Als Regisseur hat er mit der Gruppe „Theaterhaus Rüsselsheim“ das Stück „Kinder der Revolution“ erarbeitet.

Ein Kind der Revolution zu sein, heißt für Thomas Zielinski, als junger Mensch den „Deutschen Herbst“ des Jahres 1977, den Terror der RAF, die Demonstrationen an der Startbahn West miterlebt zu haben.

Wenn man zu dieser Zeit in Rüsselsheim gewohnt hat, dann ist die Festnahme der Terroristin Eva Haule in der Eisdiele „Dolomiti“ vielleicht noch in Erinnerung. Die Stadt im Fokus des BKA, die Gewalttäterin mittendrin in der Marktstraße beim Eisbecher und mit der Schusswaffe in der Tasche.

Thomas Zielinski hat diese Zeit erlebt, und er schaut als Theaterregisseur mit besonderem Interesse auf die aktuell wieder aufflammende Angst vor terroristischen Bedrohungen.

Mit dem Stück „Kinder der Revolution“ haben sich in Rüsselsheim unter dem Namen „Theaterhaus Rüsselsheim“ Theaterschaffende zusammengefunden, die in der Stadt aufgewachsen sind und inzwischen jenseits ihrer Grenzen arbeiten. Ihre Inszenierung, die im Juli Premiere feierte, wird jetzt wieder aufgenommen. Spielorte sind die Rathaus-Rotunde und die Opel-Werkhalle A 1.

Den ersten Teil „Terror gestern, heute und morgen“ entwickelte die Gruppe selbst, man spielt in der Rotunde. Dann wandert die ganze Theatergesellschaft hinüber in die Werkhalle A 1, wo das Stück „Der Leutnant von Inishmore“ des Iren Martin McDonagh gezeigt wird.

Das geschäftige Schüren der Angst vor Terrorismus hier, die brutal-labilen und bisweilen erbsenhirngesteuerten Gemüter der Terroristen dort: Das eine ist so grotesk wie das andere, meint der Regisseur.

Durch seine tschechische Mutter ist Zielinski zweisprachig aufgewachsen. Nach Abitur und Wehrdienst verließ er Rüsselsheim, um an der Prager Akademie der musischen Künste Theaterregie zu studieren.

Für eine Abschluss-Inszenierung von Biljana Srbljanovics „Familiengeschichten Belgrad“ wurde er von der tschechischen Theaterkritik als „Talent des Jahres“ nominiert.

Die Kontakte zum Theater bestanden vor dem Studium in der Mitgliedschaft in der Schul-Theater-AG, in einem Praktikum im Schauspiel Frankfurt und durch seine Freunde Holger Kraft und Gerd Zinck, die im Rüsselsheimer Ensemble „Schon geseh’n“ mitwirkten. Kraft war es dann auch, der mit der Idee des „Theaterhaus“-Projekts Kontakt zu Zielinski aufnahm.

Nach zweijähriger Regieassistenz an den Münchner Kammerspielen und Regiearbeiten für das Prager Nationaltheater und für Flanderns größte Bühne „Het Toneelhuis“ in Antwerpen lebt Zielinski inzwischen mit seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn in Prag, war dort zuletzt künstlerischer Leiter des Prager Stadttheaters „Rokkoko“ und arbeitet derzeit als freier Regisseur.

Von den derzeit sieben Ensemblemitgliedern des „Theaterhaus“ stammen neben ihm noch vier aus Rüsselsheim: Die Schauspieler Holger Kraft und Bianca Karger, der Musiker Kai Beck und der Dramaturg Kai Schmidt.

Es zieht sie halt immer wieder zurück in die Heimat: Die Stadt sei so hässlich, das schüre die Energie, sich daran abzuarbeiten, meint der Fünfunddreißigjährige. Etwas verändern zu wollen.

Es gehe allerdings nicht, hier einfach einen Shakespeare aufzuführen. Theater muss bei Thomas Zielinski einen Bezug haben zur Gegenwart. Den neuen Hang zurück zur Werktreue an deutschen Bühnen beobachtet er mit Sorge.

Das Theater ist für ihn ein Gesamtkunstwerk, ganz wie bei Wagner, nur mit den Zeichensystemen und Themen der Zeit. Also wird mit Text und Schauspielkunst genauso gearbeitet wie mit rockiger Musik oder den Mitteln der Nachrichtenmedien.

Seine Schauspieler bestätigen ihm ein ausgesprochen glückliches Händchen für den kreativen Prozess in der Gruppe: Es wird viel gelacht bei den Proben, die sich, so die Hoffnung, bald schon um eine neue Produktion drehen.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.theater-ruesselsheim.de.
Andrea Volb
05.09.2007

Thema: 04 Repertoire, Kinder der Revolution, Pressestimmen | Beitrag kommentieren